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Sichere Performance für E-Business-Infrastrukturen

Quelle: Netzguide E-Security 2002
Autor: Tom Hager, Managing Director InfoTrust

Noch vor einigen Jahren wurde das Internet nur für den E-Mail-Verkehr benutzt. Heute sind viele Unternehmen von diesem Medium abhängig. Bei vielen hat sich die firmeneigene Internet-Infrastruktur jedoch kaum verändert. Wie man in E-Business-Umgebungen den hohen Anforderungen in den Bereichen Sicherheit, Performance, Verfügbarkeit und Managebarkeit gerecht wird.

Mehr und mehr Firmen setzen auf das Internet als Transportmedium für geschäftskritische Daten. Das Internet wird zu einem integralen Bestandteil des Unternehmens. Diese Entwicklung stellt eine grosse Chance dar, birgt aber auch wesentliche Gefahren und Risiken. Ein Unternehmen, das Internet-Funktionen in seine Geschäftsprozesse integriert, wird mit massiv erhöhten Anforderungen in den Bereichen Sicherheit, Performance, Verfügbarkeit und Managebarkeit konfrontiert, vor allem bei E-Business-Infrastrukturen. Eine Anomalie führt sofort zu Umsatzeinbussen.

Ein modularer Aufbau erlaubt eine Optimierung der E-Business-Infrastruktur, ohne ein Redesign der Gesamtinfrastruktur durchführen zu müssen. Die Abbildung 1 zeigt eine solche Infrastruktur, die aus folgenden Modulen besteht:

Access-Modul
Das Access-Modul verbindet das Internet mit dem Unternehmen. Es besteht aus Internet- Anschlüssen von unabhängigen Providern, um die benötigte Performance und Redundanz zu garantieren.

Access Security-Modul
Das Access Security-Modul besteht aus redundanten Firewalls für die Zugriffsregelung und aus Intrusion Detection-Sensoren zur Erkennung von Angriffen. Dieses Modul blockt eine Vielzahl von Attacken auf die E-Business-Infrastruktur.

Performance-Modul
Das Performance-Modul regelt den Datenverkehr und garantiert die optimale Verteilung der Benutzerzugriffe auf die Server. Der Aufbau erfolgt mit redundanten Load Balancern, sogenannten WebSwitches.

Front End-Modul
Das Front End-Modul besteht aus Webservern. Für den Benutzer bildet dieses Modul den Einstieg in die E-Business-Applikation. Die Server kommunizieren über das Interface-Modul mit dem System im Back End-Modul.

Authentication-Modul
Das Authentication-Modul überprüft den Benutzer und vergibt ihm die gemäss seinem Profil zugeteilten Rechte.

Interface-Modul
Das Interface-Modul besteht aus einer redundanten Middleware. Dieses Modul verbindet das Front End- mit dem Back End-Modul und ist für die Datenkonvertierung verantwortlich. Das Unternehmen kann mit Hilfe der Middleware auf die bewährten Server-, bzw. Host-Technologien im Intranet setzen und muss diese Systeme nicht speziell für den Internet-Zugriff anpassen.


(Abbildung 1)

Ein modularer Aufbau erlaubt eine Optimierung der E-Business-Infrastruktur, ohne ein Redesign der Gesamtinfrastruktur durchführen zu müssen.

Back End Security-Modul
Das Back End Security-Modul schützt die Server- und Host-Systeme im internen Netzwerk, bzw. Rechenzentrum. Der Aufbau erfolgt mit redundanten Firewalls und Intrusion Detection-Sensoren.

Back End-Modul
Die bestehenden Server- und Host-Systeme bilden das Back End-Modul. Auf diesen Systemen laufen Geschäftsapplikationen wie ERP und CRM.

Jedes Modul muss permanent den aktuellen Business-Anforderungen angepasst und bezüglich Sicherheit, Performance, Verfügbarkeit und Managebarkeit kontinuierlich optimiert werden.

Das Performance-Modul im Detail

Beim Design des Performance-Moduls ist ein Schwerpunkt auf die Skalierbarkeit zu setzen. Wie viele Benutzerzugriffe finden pro Tag, Stunde oder Minute statt? Wie verändert sich in Zukunft die Anzahl der Benutzerzugriffe?

Das Performance-Modul wird mit WebSwitches aufgebaut. Diese Switches verteilen die Benutzeranfragen auf die Webserver des Front End-Moduls. Der Benutzer wählt eine virtuelle Adresse im WebSwitch aus. Seine Anfrage wird vom WebSwitch auf einen der Server weitergeleitet. Für den Benutzer ist dieser Vorgang völlig transparent.

Die Verteilung kann nach folgenden Kriterien erfolgen:

  • Round Robin: Ein Server nach dem anderen erhält eine Anfrage.
  • Least Connections: Der Server mit den wenigsten Verbindungen wird bevorzugt.
  • Weighted Least Connection: Für die Server werden zusätzlich einzelne Gewichtungen entsprechend ihrer Leistung definiert.
  • Response Time: Der Server mit der schnellsten Antwortzeit wird ausgewählt.
  • Bandwidth: Massgebend für die Auswahl ist die Bandbreite zu den einzelnen Servern.
  • Hash: Bei dieser Verteilung ist die Absender-Adresse wichtig (IP-Adresse und Portnummer).
  • URL: Die Analyse der URL bestimmt, welcher Server die Anfrage erhält. Die Anfragen werden aufgrund des Inhaltes verteilt und den Servern oder Servergruppen zugeteilt, die einen speziellen Teil des Inhaltes zur Verfügung stellen (Content-basierendes Load Balancing). Die Server werden besser auf ihre Funktionen hin optimiert.

Nach der Wahl des Servers muss sichergestellt werden, dass alle weiteren Benutzeranfragen innerhalb einer Geschäftstransaktion an denselben Server weitergeleitet werden. Sonst kann es passieren, dass einzelne Transaktionsdaten verloren gehen. Dies verhindert man mit Hilfe von Persistence-Methoden.


(Abbildung 2)

Für die Verschlüsselung mittels SSL kann ein Server-basierender oder zentraler Ansatz gewählt werden. Beim Server-basierenden Ansatz wird die SSL-Verschlüsselung auf den einzelnen Webservern durchgeführt, beim zentralen Ansatz erfolgt der SSL Handshake auf einem externen, vorgelagerten SSL Accelerator.

Folgende Persistence-Methoden sind bekannt:

  • Client IP-Adresse: Die IP-Adresse des Clients bestimmt die Serverzuteilung. Diese Methode eignet sich nicht, wenn mehrere Clients von einem Netzwerk her zugreifen, das durch eine Firewall mit der Network Address Translation-Funktion geschützt wird. In diesem Fall erkennt der WebSwitch die unterschiedlichen Clients nicht, Abhilfe dagegen bietet die Hash-Methode.
  • Hash: Über die Absender- und Empfangsadresse (IP-Adresse und Portnummer) wird anhand eines Hash-Algorithmus ein eindeutiger Wert errechnet. Dank dieses Wertes wird der Client identifiziert.
  • URL Hash: Die URL ist die Eingabegrösse für den Hash-Algorithmus.
  • SSL Session ID: Der Zielserver wird mit der SSL (Secure Socket Layer, Verschlüsselungsprotokoll) Session ID definiert. Die SSL Session ID ist vom Verhalten der unterschiedlichen Webbrowser abhängig. Die Implementierung des jeweiligen Herstellers spielt eine starke Rolle.
  • Cookie: Sehr effizient ist das Setzen von dynamischen Cookies für die Sessionsteuerung. Voraussetzung ist, dass der Benutzer auf seinem Webbrowser solche Cookies erlaubt. Nach dem Schliessen des Browsers werden die Cookies gelöscht.

Performance und Verschlüsselung

Die gesamte Kommunikation vom Benutzer zu den Servern erfolgt verschlüsselt. Dies geschieht über IPSec VPN-Technologie oder durch das SSL-Protokoll. Mit Hilfe der IPSec VPN-Technologie wird der gesamte Datenverkehr verschlüsselt, da die Technologie auf der Netzwerkschicht greift und daher unabhängig von den Applikationen ist. Der Implementationsaufwand in heterogenen Umfeldern ist komplexer als bei SSL, da die Verteilung von VPN Client-Konfigurationen nicht standardisiert ist. In E-Business-Infrastrukturen ist es empfehlenswert, das SSL-Protokoll einzusetzen, über das jeder gängige Webbrowser verfügt. Baut ein Benutzer eine SSL-Verbindung zu einem Server auf, erhält er vom Server ein signiertes Serverzertifikat. So weiss der Benutzer, dass er mit einem Server des gewünschten Unternehmens kommuniziert. Die Authentisierung des Benutzers erfolgt über Benutzernamen, Passwort und einem Passwortzusatz. Eine Authentisierung ist auch über ein Client-Zertifikat möglich. Die Benutzung von Client-Zertifikaten kommt vor allem zum Zuge, wenn ein Unternehmen eine Public Key-Infrastruktur (PKI) bereits implementiert hat. Für die Verschlüsselung mittels SSL kann ein Server-basierender oder zentraler Ansatz gewählt werden (siehe Abbildung 2). Beim Server-basierenden Ansatz wird die SSL-Verschlüsselung auf den einzelnen Webservern durchgeführt. Der CPU-intensive SSL Handshake führt beim Verbindungsaufbau einer HTTPS- im Vergleich zu einer HTTP-Verbindung zu Performance-Einbussen von Faktor 15 bis 200. Die Server Performance kann durch den Einsatz von Accelerator-Karten in den einzelnen Servern gesteigert werden.

Beim zentralen Ansatz wird der SSL Handshake auf einem externen, vorgelagerten SSL Accelerator durchgeführt. Der SSL Accelerator kümmert sich um den SSL Handshake, die Ver- und Entschlüsselung der Daten sowie die Verwaltung der Zertifikate.

Durch den zentralen Ansatz kann eine Anfrage entschlüsselt und dann vom WebSwitch aufgrund des Inhaltes an einen Server weitergeleitet werden. Diese Funktionsweise entfällt beim Server-basierenden Ansatz. Da der WebSwitch die verschlüsselte Anfrage nicht auswerten kann, muss auf jedem Server derselbe Content vorhanden sein.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Performance-Moduls ist die Verfügbarkeit. Beim Ausfall eines WebSwitches muss ein redundanter Switch die Funktion unterbruchsfrei fortsetzen können. Der Ausfall von einzelnen Servern wird vom WebSwitch erkannt und an das Management-System gemeldet, das die gesamte E-Business-Infrastruktur überwacht.

Fazit

Die Performance der E-Business-Infrastruktur ist von vielen Faktoren abhängig. Alle Komponenten, vom Internetanschluss über die Firewall bis hin zum Webserver, müssen die heutige und zukünftige Anzahl von Transaktionen bewältigen. Der Sicherheitsaspekt ist besonders wichtig, da sensitive Daten wie Kunden-, Bestell- und Preisinformationen über das Internet ausgetauscht werden. Ist die E-Business-Infrastruktur nicht verfügbar, können auch keine Geschäftstransaktionen erfolgen. Wichtig ist, dass die gesamte Infrastruktur periodisch überprüft und den zukünftigen Anforderungen angepasst wird.

Zusatzinformation zum Autor

Tom Hager ist dipl. El. Ing. HTL und dipl. Wirtschaftsingenieur STV (FH). Seit Januar 2002 ist er Managing Director der InfoTrust AG. InfoTrust plant, realisiert und wartet komplexe IT Security-, Content Switching- und Netzwerk-/ Service Management-Lösungen. Tom Hager war zuvor in diversen Unternehmen in der IT-Branche tätig, u. a. leitete er das Security-Team der Commcare AG.

Weitere Infos unter tom.hager@infotrust.ch, Tel. 043 477 70 10.

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