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Sichere e-Business-Kommunikation mit Secure Socket Layer (SSL)

Quelle: eCompany Magazin 03/2002
Autor: Tom Hager, Managing Director InfoTrust

Das Internet ist zu einem festen Bestandteil der Geschäftsprozesse geworden. Für immer mehr Unternehmen wird die Kommunikation über das Internet zu einem strategischen Erfolgsfaktor. Diese Entwicklung stellt eine grosse Chance dar, birgt aber auch wesentliche Gefahren und Risiken. Die Anforderungen an eine Internet-basierende IT-Lösung bezüglich Performance, Verfügbarkeit und Sicherheit sind dementsprechend hoch. Zusätzlich müssen beim Übertragen von Personendaten auch rechtliche Aspekte berücksichtigt werden. Aber auch firmeninterne Daten dürfen nicht ohne Schutzmassnahmen übertragen werden. Zu den wichtigen Massnahmen neben der Firewall-Infrastruktur gehören die Authentisierung und die Verschlüsselung der Datenströme über das Internet.

Datenströme über das Internet - authentisiert und verschlüsselt

Heute werden für die Authentisierung und die Verschlüsselung der Datenströme über das Internet vor allem die zwei Protokollfamilien IPSec und SSL/TLS eingesetzt (Abbildung 1). Die IPSec-Technologie kommt vor allem bei VPNs (Virtual Private Networks) zum Zuge. Das Protokoll IPSec ist integraler Bestandteil der IP-Version 6 und kann bei der heute gebräuchlichen IP-Version 4 als Option angewandt werden. Mit Hilfe der IPSec-VPN-Technologie lässt sich der gesamte Datenverkehr verschlüsseln, da die Technologie gemäss ISO-Modell (?) auf der Netzwerkschicht eingesetzt wird und daher unabhängig von den Applikationen ist. Die Technologie ist in homogenen Umgebungen einfach zu implementieren. In heterogenen Umgebungen kann der Implementationsaufwand relativ hoch sein, da die Verteilung von Client-Konfigurationen noch nicht standardisiert ist. Gerade in diesem Bereich bestehen zwischen den verschiedenen Produkteanbietern Inkompatibilitäten.

Authenitsierung und Verschlüsselung
(Abbildung 1)

Die Grafik zeigt, wo die Authentisierung und Verschlüsselung der Datenströme erfolgt: Bei der Protokollfamilie IPSec wird der Datenverkehr gemäss ISO-Modell auf der Netzwerk-Schicht authentisiert und verschlüsselt. Das SSL-Protokoll wird in der Applikations-Schicht eingesetzt

Die IPSec-VPN-Technologie eignet sich speziell für die sichere Netzwerkverbindung unterschiedlicher Unternehmensstandorte über das Internet. Auch der Zugriff der einzelnen Benutzer vom Home Office oder aus dem Hotelzimmer lässt sich mit Hilfe dieser Technologie einfach integrieren. Die Kommunikationskosten werden dadurch massiv gesenkt.

Secure Socket Layer (SSL) ermöglicht sicheren Webzugriff

Im Gegensatz zu IPSec wird das 1994 von Netscape entwickelte Secure Socket Layer (SSL)-Protokoll auf der Applikationsschicht eingesetzt. Es wird heute vorwiegend für den sicheren Webzugriff (https für Webmail) und in e-Business-Infrastrukturen eingesetzt. Neben dem http-Protokoll können auch beliebig andere TCP-Protokolle, wie ftp und nntp, mit SSL ergänzt werden. Auf einfache Weise können diese Protokolle dadurch zu sicheren Übertragungsprotokollen erweitert werden. Der Begriff Secure Socket Layer (SSL) wurde bis zur Version 3.0 verwendet. Mit der Standardisierung durch die Internet Engineering Task Force im Jahre 1999 wurde der Begriff SSL mit dem neuen Begriff TLS (Transport Layer Security) abgelöst. Die aktuelle TLS Version 1.0 unterscheidet sich nur in wenigen Details von der SSL Version 3.0.

Der Vorteil von SSL liegt in der einfachen Implementation für Browser-basierende Anwendungen. Das SSL-Protokoll kann bei den meisten Webservern mit wenig Aufwand implementiert werden.

Authentisierung mittels digitaler Zertifikate

Die Authentisierung der Kommunikationspartner wird bei SSL mit digitalen Zertifikaten gelöst. Unterschieden wird zwischen Server- und Client-Zertifikaten. Beide Zertifikate müssen von einer Certificate Authority (CA) signiert sein. Für die Überprüfung der Zertifikate benötigt das CA-Zertifikat ein weiteres Zertifikat. Dieses Zertifikat kann in den Browser importiert werden. Dadurch kann eine für den Benutzer transparente Authentisierung des SSL-Protokolls erreicht werden.

Beim Aufbau einer Verbindung erhält der Client vom Server das Serverzertifikat. Falls das entsprechende CA-Zertifikat installiert wurde, akzeptiert der Client automatisch das Serverzertifikat und die SSL-Verbindung kann aufgebaut werden. Optional kann der Server auch vom Client ein Zertifikat verlangen und dieses entsprechend überprüfen. Dies erlaubt die sichere Identifikation sowohl des Servers wie auch des Clients. Doch die meisten eBusiness-Applikationen verzichten auf Client-Zertifikate, da der Kunde nicht über SSL authentisiert werden muss, sondern von der Applikation über Benutzernamen und Passwort, evtl. auch mit Passwortzusatz, authentisiert wird. Ein weiterer Grund liegt in der Verwaltung der Client-Zertifikate. Das heisst, der Betreiber der eBusiness-Infrastruktur müsste die Client-Zertifikate ausstellen und verwalten oder signierte Client-Zertifikate einer vertrauten CA akzeptieren. Die Herausforderung ist hier nicht technischer Natur, sondern liegt in der Organisation und der Verwaltung der Client- Zertifikate.

Optimierung der Performance und der Verfügbarkeit

Ein wichtiger Aspekt ist die Performance des SSL-fähigen Webservers. Der Aufbau (CPU-intensive SSL Handshake...) einer HTTPS- im Vergleich zu einer HTTP-Verbindung kann zu Performance-Einbussen um den Faktor 15 bis 200 führen. Dies kann bei zu geringer Dimensionierung der Server zu merkbaren Wartezeiten führen. Der CPU-intensive Aufbau der HTTPS-Verbindung kann durch den Einsatz eines vorgeschalteten SSL Accelerators ausgelagert werden. Der Server verarbeitet nur noch die unverschlüsselte HTTP-Verbindung zwischen ihm und dem SSL Accelerator. Der SSL Accelerator kümmert sich um das Aushandeln der Verbindungsmodalitäten, in der Fachsprache SSL Handshake genannt, die Ver- und Entschlüsselung der Daten sowie die Verwaltung der Zertifikate. Zudem kommuniziert er in verschlüsselter Form mit den Clients.

Bei eBusiness-Infrastrukturen ist neben Sicherheit auch die Verfügbarkeit ein zentrales Thema. Bei Ausfall der Applikationen oder bei sehr schlechter Performance können keine Geschäftsfälle mehr abgewickelt werden. Dadurch entstehen für ein Unternehmen unvorhergesehene und schwer budgetierbare Kosten. Aus diesem Grund müssen die Applikations-Server den erwarteten Benutzerzugriffen standhalten. Es darf kein Unterbruch bei Ausfall eines Servers entstehen. Zu diesem Zweck werden WebSwitches eingesetzt, die die Benutzeranfragen auf verschiedene Server verteilen (Server Load Balancing). Für die Verteilung kommen unterschiedliche Algorithmen und Kriterien zur Anwendung. Bei der Kombination von WebSwitch und SSL Accelerator werden die Benutzeranfragen auf der Basis des Inhaltes einer Anfrage verteilt (Abbildung 2). Diese Kombination ist bis zu mehreren hunderttausend Verbindungen pro Sekunde skalierbar. So können die Webserver optimal eingesetzt werden. Die erforderliche Persistence einer Verbindung ist gewährleistet.

Performante SSL-Verschlüsselung
(Abbildung 2)

Aufbau einer sicheren https-Verbindung, die durch den Einsatz des SSL-Accelerators ausgelagert wird. Die Server verarbeiten nur noch die unverschlüsselte http-Verbindung zwischen ihnen und dem SSL-Accelerator. Der WebSwitch verteilt die Benutzeranfragen aufgrund des Inhalts auf die verschiedenen Server (Server Load Balancing). So werden eine hohe Performance und Verfügbarkeit erreicht.

Nicht nur die WebSwitches und die Server müssen der Anzahl Verbindungen standhalten, auch die Firewalls und die Internet-Anschlüsse müssen entsprechend dimensioniert werden. Auf diese Weise erreicht man die gewünschte Performance und Ausfallsicherheit auf der Serverseite.

Fazit

Das Secure Socket Layer-Protokoll ist prädestiniert für den Aufbau der sicheren Kommunikation in webbasierenden eBusiness-Applikationen. Vor allem die einfache Implementation und die Tatsache, dass ausser dem Webbrowser keine Client Software benötigt wird, sprechen für SSL. Die benötigte Performance und die Ausfallsicherheit können durch die Verwendung von WebSwitches und SSL Acceleratoren optimiert werden.

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