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Nicht
jede VPN-Technologie ist für jeden
Zweck geeignet
Quelle: Netzguide
E-Security 2003
Autor: Tom Hager, Managing Director InfoTrust
Virtual
Private Networks erlauben einer ausgewählten
Benutzergruppe den sicheren Zugriff über
das Internet auf Applikationen und Unternehmensdaten.
Die Technologien IPSec und SSL werden dabei
in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt.
In
einem Unternehmen führen unterschiedliche
Beweggründe zum Einsatz von Virtual
Private Networks (VPN). Zum einen werden
bei der Anbindung von Aussenstellen mittels
eines Intranet-VPN (Site-to-Site) die Kommunikationskosten
im Vergleich zu Mietleitungen wesentlich
reduziert. Besonders günstig wirkt
sich diese Kostenoptimierung bei der Ablösung
internationaler Verbindungen aus. Zum anderen
benötigen Mitarbeiter einen einfachen
und sicheren Zugriff auf Applikationen und
Daten des Unternehmens, um ortsunabhängig
effizient arbeiten zu können. Hier
kommt ein Remote-Access-VPN (Client-to-Site)
zum Einsatz. Zudem werden auch Partner (Kunden,
Lieferanten und Wiederverkäufer) zur
Beschleunigung der Geschäftsprozesse
vermehrt über ein Extranet-VPN an das
Unternehmensnetzwerk angeschlossen.
Intranet-,
Remote-Access- und Extranet-VPNs lassen
sich mit unterschiedlichen Technologien
realisieren. Folgende Fragen müssen
jedoch beantwortet werden, bevor ein Technologieentscheid
getroffen werden kann:
- Welcher Typ VPN
muss aufgebaut werden, beziehungsweise
welche Kommunikationspartner
müssen eingebunden werden?
- Wer
muss auf welche Applikationen und Daten
Zugriff haben?
- Wie
kann auf diese Applikationen zugegriffen
werden (Webtechnologie oder Native Client)?
- Von wo aus muss
der Zugriff erfolgen können?
Je nach den
Bedürfnissen und Anforderungen des
Unternehmens kommen IPSec (Internet Protocol
Security) oder SSL (Secure Socket Layer)
zum Einsatz.

(Abbildung
1)
Sichere
Übertragung mit IPSec oder SSL: Die
roten Linien zeigen den verschlüsselten,
die grünen den entschlüsselten
Datenstrom auf
IPSec
benötigt spezielle Clients
Die
IPSec-Technologie ist ein Zusatz zum heute
eingesetzten Internet-Protokoll Version
4 und setzt mit seinen Sicherheitsmechanismen
auf der Netzwerkschicht an. Das IPSec-Protokoll
erlaubt die sichere Übertragung von
Daten aller Applikationen und Dienste, die
auf IP basieren. Es
ist somit transparent für die Applikationen
und unabhängig vom Übertragungsmedium.
Ein IPSec-VPN lässt sich für Site-to-Site-
und Client-to-Site-Anbindungen realisieren.
Bei der
Site-to-Site-Anbindung kommunizieren zwei
VPN-Gateways miteinander. Die Authentisierung
erfolgt über ein gemeinsames Passwort
(Pre-Shared Secret) oder über X.509v3-Zertifikate.
Eine Authentisierung der Benutzer ist bei
Site-to-Site-Anbindungen gemäss IPSec-Standard
nicht vorgesehen, das heisst, jeder Benutzer
hinter einem VPN-Gateway hat Zugriff über
denVPN-Tunnel auf die Daten. Die Authentisierung
von Benutzern einer Client-to-Site-Anbindung
erfolgt über Benutzernamen und Passwort.
Zur Erhöhung der Sicherheit kann ein
One-Time-Passwort oder können X.509v3-Zertifikate
verwendet werden.
Die
Benutzerverwaltung kann innerhalb der IPSec-VPN-Lösung
erfolgen. Bestehende Verzeichnisse wie Microsoft
Active Directory oder Novell Directory Services
können über das LDAP- oder RADIUS-Protokoll
integriert werden. Die Benutzer, die über
das Remote-Access-VPN auf Unternehmensdaten
zugreifen, benötigen einen speziellen
IPSec-VPN-Client auf ihrem Notebook oder
Desktop-PC. Jeder Hersteller von IPSec-VPN-Lösungen
bietet seinen eigenen VPNClient an. Ein
VPN-Client des Herstellers A kann demzufolge
nur mit dem VPN-Gateway des Herstellers
A kommunizieren. Installation und Konfiguration
der VPNClients sind nicht standardisiert.
Je nach Hersteller geschieht dies automatisch
oder manuell.
Jeder
Internet-Client kann SSL einsetzen
Das
SSL-Protokoll wurde 1994 von Netscape entwickelt
und in den eigenen Webbrowser integriert.
SSL bietet wie IPSec die Verschlüsselung
der Daten über standardisierte Algorithmen.
Im Unterschied zu IPSec setzt SSL mit seinen
Sicherheitsmechanismen auf der Applikationsschicht
an. Jede Applikation, die mittels SSL gesichert
werden soll, muss speziell für SSL
vorbereitet werden. Bei Webapplikationen
ist dies mit sehr geringem Aufwand verbunden,
da fast alle Webserver die benötigten
SSL-Methoden bereits implementiert haben.
Das SSL-Protokoll bietet End-to-End-Verschlüsselung
und eignet sich für Client-to-Server-Verbindungen.
Beim Verbindungsaufbau erhält der Client
vom Server ein X.509v3-Zertifikat, das den
Server authentisiert. SSL bietet die Möglichkeit,
auch den Client über ein Zertifikat
zu authentisieren. Von dieser Option wird
in der Praxis nur wenig Gebrauch gemacht.
Weitere Authentisierungsmethoden bietet
das SSL-Protokoll keine an, deswegen die
Benutzerauthentisierung meistens in der
Applikation selbst gelöst wird. Technologien
wie beispielsweise ein Secure Proxy können
die Benutzerauthentisierung und -verwaltung
übernehmen. Der Benutzer meldet sich
direkt beim vorgeschalteten Secure Proxy
an und nicht mehr beim Applikationsserver.
So muss nicht für jede Applikation
eine eigene Benutzerverwaltung geschrieben
werden. Der Secure Proxy kann die Benutzer
sowohl intern verwalten wie auch Schnittstelle
sein für externe Datenbanken wie beispielsweise
Active Directory. Die Applikations- und
Webserver werden durch den Secure Proxy
vor Angriffen aus dem Internet geschützt.
Auch der leistungsfähige SSL-Verbindungsaufbau
kann vom Webserver auf den Secure Proxy
ausgelagert werden. SSL bietet gegenüber
IPSec den Vorteil, dass der Client, also
der Webbrowser, auf jeder Arbeitsstation
vorhanden ist. Der Zugriff ist auf diese
Weise von jedem Internet-Terminal aus gewährleistet,
beispielsweise vom Internet-Café
oder vom Flughafen.
IPSec
für Legacy-Applikationen, SSL für
webfähige Anwendungen
Die Wahl der VPN-Technologie ist abhängig
von den Bedürfnissen und Anforderungen
eines Unternehmens. Für Site-to-Site-Anbindungen
(Intranet-VPNs) eignet sich IPSec, ebenso
beim Remote-Access-VPN. Die transparente
Verbindung von Netzwerken steht hier im
Vordergrund. Es sollen alle Applikationen
und Dienste sicher übertragen werden,
ohne dass diese in irgendeiner Form angepasst
werden müssen, beispielsweise für
die Kommunikation mit Legacy-Applikationen,
die nicht SSL-fähig sind. Der Aufwand
für die Installation des IPSec-Client
ist gering, da die Arbeitsstationen der
Mitarbeiter vom Unternehmen selbst kontrolliert
werden.
Wenn die benötigten
Applikationen «Web-enabled»
sind, kommt bevorzugt die SSL-Technologie
zum Einsatz. So muss keine zusätzliche,
«fremde» Software installiert
werden. Aus Effizienz- und Kostengründen
wird SSL auch bei Extranet-VPNs eingesetzt.
Der
Aufbau eines Extranet-VPNs mittels IPSec
benötigt hingegen einen sehr hohen
Koordinationsaufwand: Die Unternehmen benutzen
bei den Site-to-Site-Anbindungen oft unterschiedliche
VPN-Lösungen von diversen Herstellern,
welche die Implementation einer solchen
Anbindung sehr aufwändig werden lassen
können. Bei den Client-to-Site-Anbindungen
muss bei den Geschäftspartnern der
VPN-Client installiert werden. Oft verstösst
aber das Installieren von Software auf den
Arbeitsstationen der Partner gegen die Security
Policy des Unternehmens.
| Unterschiede
zwischen IPSec und SSL |
| IPSec
VPN |
SSL
VPN |
| Implementation
auf der Netzwerkschicht |
Implementation
auf der Applikationsschicht |
| Unterstützung
aller auf TCP und UDP basierenden Applikationen |
Unterstützung
von Web- und SSL-enabled
Applikationen |
| Unterstützung
von Site-to-Site- und Client-to-Site-Anbindungen
|
Unterstützung
von Client-to-Server-Anbindungen (End-to-End)
|
| Der
IPSec-Client ist nicht auf jedem Benutzer-Client
standardmässig installiert |
Der
SSL Client ist via Browser auf jedem
Benutzer-Client verfügbar |
| Sehr
gut für die Anbindung von Aussenstellen
und für Heimarbeitsplätze
geeignet (Remote Access und Branch Office)
|
Sehr
gut für alle Anwender (Kunden,
Mitarbeiter
und Lieferanten) geeignet, die auf einzelne
Web-enabled Applikationen zugreifen
|
| Verwendbar
für alle höheren IP-Protokolle,
Site-to-Site-Anbindung mit voller Funktionalität
|
Kostengünstig
in der Anschaffung und im Unterhalt,
beschränkt auf Webapplikationen |
Fazit
Sowohl
die IPSec- als auch die SSL-VPNTechnologie
bieten Vorteile bei der sicheren Übertragung
von Daten aus Applikationen und Diensten,
die auf IP basieren. Wichtig ist, dass das
Unternehmen seine Bedürfnisse und Anforderungen
an eine VPN-Lösung genau formuliert.
In einigen Fällen kann auch eine Kombination
beider Technologien in Frage kommen.
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