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Sicherer und kostengünstiger Zugriff auf Webapplikationen

Quelle: Netzguide E-Security 2004
Autor: Tom Hager, CEO, InfoTrust

Die neuen Secure-Proxy-Technologien ermöglichen nicht nur den einfachen, sicheren und kostengünstigen Zugriff auf Unternehmensdaten. Auch die Webapplikationen selber werden zuverlässig vor den zahlreichen Attacken geschützt.

Mitarbeiter können heute mittels der bewährten IPSec-VPN-Technologie sicher auf Unternehmensdaten zugreifen. Um den Zugriff zu gewährleisten, muss auf dem vom Mitarbeiter verwendeten System ein IPSec VPN Client installiert werden. Zu diesem Zweck kann dem Mitarbeiter ein vom Unternehmen, mit einem installierten IPSec VPN Client vorkonfiguriertes Notebook zur Verfügung gestellt werden. Der IPSec VPN Client sollte nicht nur den sicheren Datentransport und die Benutzerauthentisierung beinhalten. Wichtig ist auch die Installation einer von zentraler Stelle aus definierbaren Desktop-Firewall. Das zentrale Management des IPSec VPN Clients ist für den effizienten und sicheren Betrieb der Lösung unerlässlich.

Unsicherheit "Fremd-Client"

Doch es gibt Situationen, beispielsweise am Flughafen, im Hotel und im Internet-Cafe, in denen der Mitarbeiter auf Unternehmensdaten zugreifen möchte, ohne dass er als Client Informatikmittel des Unternehmens benötigt. Auf diesem "fremden" Client kann er einzig über einen Standardbrowser wie den Microsoft Internet Explorer oder den Netscape Navigator auf Unternehmensapplikationen zugreifen. Dank der Verbreitung von ADSL- und anderen Breitband-Technologien können Mitarbeiter auf diese Weise auch komfortabel von zu Hause aus arbeiten.

Der Standardbrowser ist für den Zugriff auf Unternehmensdaten die einzige valable Komponente, falls das Unternehmen den Mitarbeitern den Remote-Zugriff ermöglichen will, aber aus Kostengründen keine dedizierten Notebooks mit installiertem IPSec VPN Client zur Verfügung stellt. Keine Alternative aus betrieblicher Sicht ist die Installation des IPSec VPN Client auf dem privaten System des Mitarbeiters. Somit müssen die im Unternehmen zur Verfügung gestellten Applikationen für den Zugriff via Browser webfähig sein. Der Zugriff erfolgt über die Standard-Webprotokolle wie HTTP und HTTPS (HTTP über SSL).

Bei dieser Methode befinden sich die Unternehmensressourcen aus Gründen der Sicherheit in der demilitarisierten Zone (DMZ). Beim IPSec Client genügt es, wenn die Ressourcen im Intranet sind.


(Abbildung 1)

Beim IPSec-Zugriff können die Unternehmensressourcen im Intranet stehen, beim Zugriff über Webprotokolle (SSL-Zugriff) befinden sich die Ressourcen aus Gründen der Sicherheit in der demilitarisierten Zone (DMZ).

Grenzen der Firewall

Webapplikationen wie Microsoft Outlook Web Access oder Lotus iNotes bergen aber dieselben Gefahren in sich wie Webapplikationen, die für den Zugriff von Kunden und Lieferanten in der DMZ stehen. Bei einem Angriff auf eine Webapplikation bieten klassische Firewalls keinen Schutz, da der Zugriff auf die Webapplikation für alle ankommenden Verbindungen generell von der Firewall erlaubt werden muss. Einem Angreifer kann der Weg via Webapplikation nicht verwehrt werden.

Er attackiert die Webapplikation oder die Authentisierungsmodule der Webapplikation, beziehungsweise den Benutzer der diese verwendet, mittels SQL Injection, Cross Site Scription (XSS), Script Injection, Cookie-Poisoning, Forceful Browsing und Denial-of-Service-Attacken, die auf SSL Handshakes basieren. Im Allgemeinen werden sehr häufig Schwachstellen der Webapplikation oder des Webservers ausgenutzt, es werden täglich neue Schwachstellen bekannt. Die Verschlüsselung der Daten über SSL bietet gegen diese Art von Attacken keinen Schutz.

Ein Angreifer, dem es gelingt, eine Webapplikation erfolgreich anzugreifen, bekommt Zugang zu vertraulichen Daten, wie zum Beispiel zu den E-Mails aller Mitarbeiter des Unternehmens.

Secure Proxy

Die Problematik der Sicherheitsrisiken bei Webapplikationen lässt sich entweder durch entsprechende Integration von Sicherheitsmassnahmen und ständiges Einspielen von Patches oder durch die Vorschaltung eines Secure Proxy lösen. Die Absicherung der Webapplikationen ohne Secure Proxy ist äusserst kostenintensiv. Auch das Aufrechterhalten eines hohen Sicherheitsstandards durch das Einspielen von Patches und sicherheitsrelevante Anpassungen der Applikation verursachen einen sehr hohen Betriebsaufwand. Der Secure Proxy hingegen schützt die Webapplikationen einfach und zuverlässig vor Angriffen, auch in Fällen, in denen die Webapplikationen selbst verwundbar sind. So werden nicht nur die Sicherheitsanforderungen des Unternehmens erfüllt, auch die Betriebskosten werden wesentlich reduziert.

Der Secure Proxy wird in der DMZ vor den eigentlichen Webapplikationen platziert. Die gewünschte Verbindung des Benutzers zum Applikationsserver wird auf dem Secure Proxy terminiert. Bei SSL-Verbindungen übernimmt der Secure Proxy zudem den leistungsintensiven SSL Handshake und entlastet dadurch die Applikationsserver. Jede Anfrage wird einem Regelset gegenübergestellt und auf ihre Zulassung geprüft. Zwischen dem Benutzer und der Webapplikation besteht keine direkte Verbindung. Der Secure Proxy unterbricht das HTTP/HTTPS-Protokoll, analysiert die Daten und sendet diese in einer neuen Verbindung zur Webapplikation, sofern die in den Daten enthaltene Anfrage zugelassen ist. Der Benutzer bemerkt nichts von diesem Vorgang, der Secure Proxy arbeitet völlig transparent.


(Abbildung 2)

Der Secure Proxy wird in der DMZ vor den eigentlichen Webapplikationen platziert. Die gewünschte Verbindung des Benutzers zu den Applikationsservern wird auf dem Secure Proxy terminiert. Zwischen dem Benutzer und der Webapplikation besteht keine direkte Verbindung. Der Secure Proxy unterbricht das HTTP/HTTPS-Protokoll, analysiert die Daten und sendet diese in einer neuen Verbindung zur Webapplikation, sofern die in den Daten enthaltene Anfrage zugelassen ist.

Einsatz von One-Time-Passwörter

Beim Zugriff auf interne Ressourcen von „fremden“ Systemen aus besteht zudem die Gefahr, dass ein Benutzer mittels installierter Software zur Aufzeichnung der Tastatureingabe "abgehört" wird. Die von ihm eingegeben Passwörter können somit ausspioniert und wiederverwendet werden. Abhilfe dagegen bieten so genannte One-Time-Passwörter, beispielsweise Hardware Token wie die bekannte RSA SecurID. Diese generiert automatisch alle 60 Sekunden ein neues Passwort. Ein generiertes Passwort kann vom Benutzer nur einmal verwendet werden. Das vom Angreifer abgehörte Passwort ist somit für diesen wertlos. Der Secure Proxy bietet einen Authentisierungsservice für die Integration solcher One-Time-Passwörter. Der Benutzer wird auf diese Weise vor missbräuchlicher Nutzung seines Passwortes geschützt.

Zudem werden sämtliche Zugriffe auf die Webapplikationen aufgezeichnet. Dadurch kann zu jedem Zeitpunkt festgestellt werden, wann welcher Benutzer auf welche Applikationen zugegriffen hat. Diese Daten können für weitere Auswertungen bezüglich Nutzung sowie auch für forensische Untersuchungen genutzt werden.

Fazit

Der Zugriff auf Webapplikationen kann durch das Vorschalten eines Secure Proxy mit den Sicherheitsanforderungen des Unternehmens in Einklang gebracht werden. Nicht verhindert werden können mit dieser Massnahme Probleme, die durch den Benutzer verursacht werden. Der Benutzer kann sich beispielsweise aus dem Internet-Cafe entfernen, ohne sich abzumelden, oder vertrauliche Daten auf dem Desktop des „fremden“ Systems speichern. Wenn Mitarbeiter über den Browser von jedem "fremden" System aus auf Unternehmensdaten zugreifen können, muss klar klassifiziert werden, welche Daten über diese Zugriffsart zur Verfügung gestellt werden. Bei kritischen Daten sollte diese Zugriffsart nur für „eigene“ mittels Client-Zertifikat authentisierte Systeme oder "eigene" mit IPSec VPN Client ausgerüstete Systeme zugelassen werden. Ein zentraler Punkt zur Steigerung der Unternehmenssicherheit ist aber unabhängig von der gewählten Technologie die Schulung und das Sicherheitsbewusstsein der Benutzer.

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