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Sichere
und verbindliche E-Mails statt E-Postkarten
Quelle: Netzguide
E-Security 2005
Autor: Tom Hager, CEO, InfoTrust
Ein zentraler
Punkt für die wirtschaftliche Nutzung
der E-Mail-Verschlüsselung ist der
Automatisierungsgrad bei der Erfassung der
Credentials (Anmeldeinformationen) eines
neuen Empfängers.
Gemäss
dem Marktforschungsinstitut IDC werden in
diesem Jahr durchschnittlich 36 Milliarden
E-Mails pro Tag zu den weltweit 1,2 Milliarden
elektronischen Briefkästen versandt.
Doch erfüllen E-Mails die Anforderungen
der Unternehmen bezüglich Sicherheit
und Verbindlichkeit?
Die schnelle und bequeme Kommunikation mittels
E-Mail erlaubt uns, unsere Geschäftsprozesse
zu optimieren. Ein massgebliches Hemmnis
beim Einsatz von E-Mail für den verbindlichen
Austausch von Informationen war bis anhin
die fehlende Rechtsgrundlage in der Schweiz.
Das am 1. Januar 2005 in Kraft getretene
Bundesgesetz über die elektronische
Signatur (ZertES) hat diese Lücke geschlossen.
Die qualifizierte Signatur (im Sinne des
ZertES) wird der eigenhändigen Unterschrift
gleichgestellt. Setzen wir in unserem Unternehmen
E-Mail als verbindliches und vertrauenswürdiges
Kommunikationsmittel ein, müssen neben
den rechtlichen Aspekten auch entsprechende
technische und organisatorische Massnahmen
implementiert werden.
Klassische E-Mails sind vergleichbar mit
Postkarten. E-Mails werden im Klartext übertragen,
folglich können sie mit einfachen Mitteln
mitgelesen werden. Auch das Fälschen
einer Absenderadresse, also das Vortäuschen
einer anderen Identität, ist sehr einfach
möglich. Dies wird heute vor allem
bei der Spam-Thematik und bei Phishing-Angriffen
sichtbar. Es ist zudem nicht feststellbar,
ob die E-Mail auf dem Weg zum Empfänger
in irgendeiner Form verändert wurde.
Der Sender kann auch nicht feststellen,
ob die E-Mail beim Empfänger angekommen
ist. Es ist zudem sehr schwierig zu beweisen,
dass eine E-Mail wirklich von der Person
gesandt wurde, deren Absenderadresse in
der E-Mail erscheint. Trotz dieser Schwächen
werden E-Mails zur Unterstützung etlicher
Geschäftsprozesse eingesetzt, die höhere
Sicherheitsanforderungen voraussetzen. Ein
Grund dafür liegt in den vielen Vorteilen
der E-Mail-Kommunikation wie Geschwindigkeit,
Zeit- und Ortsunabhängigkeit.
Anforderungen
Welchen
Anforderungen müssen sichere E-Mails
gerecht werden? Der Sender muss eindeutig
identifizierbar sein (Authenticity), damit
er nicht mehr abstreiten kann, dass eine
E-Mail wirklich von ihm kam (Non-Repudiation).
Die Übermittlung einer E-Mail muss
vom Empfänger bestätigt werden.
Änderungen des Inhaltes müssen
beim Empfänger erkennbar sein (Integrity)
und bei vertraulichen Daten muss dieser
Inhalt sicher, also verschlüsselt,
übertragen werden (Confidentiality).
Die Massnahmen, die für die Befriedigung
dieser Anforderungen angewandt werden, sind
die digitale Signatur und die Verschlüsselung.
Zwei Technologien zur Umsetzung dieser Massnahmen
sind PGP (Pretty Good Privacy) und S/MIME
(Secure Multipurpose Internet Mail Extensions).
Technologien
PGP ist sowohl ein Standard als auch ein
Softwarepaket, das als kommerzielle Software
oder auch als Freeware erhältlich ist.
Für viele E-Mail-Clients sind heute
PGP-Plug-ins verfügbar. Der grosse
Vorteil der S/MIME-Spezifikation ist, dass
sie von modernen E-Mail-Clients wie Microsoft
Outlook oder Lotus Notes standardmässig
unterstützt wird. Beide Technologien
arbeiten in analoger Weise und nutzen die
Public/Private-Key-Kryptografie beziehungsweise
digitale Zertifikate.

Abbildung: Beim
Client-basierten Ansatz wird die E-Mail
im E-Mail-Client signiert bzw. verschlüsselt.
Der Vorteil liegt hier in der möglichen
End-zu-End-Verschlüsselung. Durch den
Gateway-basierten Ansatz kann die Security
Policy des Unternehmens mittels des zentralen
Content-Scanners umgesetzt werden. Viren
können schon vor dem Eindringen ins
Unternehmensnetzwerk erkannt und eliminiert
werden.
Die wesentlichen Unterschiede
liegen in den Meldungsformaten und den verwendeten
Zertifikaten. Die S/MIME-Spezifikation arbeitet
mit X.509v3-Zertifikaten, PGP dagegen hat
bis heute noch keine lauffähige Schnittstelle
für X.509v3. Diese Zertifikate beinhalten
Angaben über die Identität einer
Person, den öffentlichen Schlüssel
dieser Person und werden von einer Zertifizierungsstelle,
einer sogenannten Certificate Authority
(CA), ausgegeben. Diese Zertifizierungsstelle
bezeugt, dass die Angaben im Zertifikat
authentisch sind. Ein E-Mail-Sender kann
seine E-Mail mithilfe seines privaten Schlüssels
(Private Key) signieren. Dieser Schlüssel
ist geheim und nur für diesen E-Mail-Sender
zugänglich. Der E-Mail-Empfänger
kann mit dem im Zertifikat enthaltenen öffentlichen
Schlüssel (Public Key) des E-Mail-Senders
die Signatur überprüfen. Der Empfänger
kann somit feststellen, ob der E-Mail-Inhalt
verändert wurde, und hat einen Beweis,
dass die E-Mail wirklich vom E-Mail-Sender
kam. Muss die E-Mail nicht nur signiert,
sondern auch verschlüsselt übertragen
werden, verschlüsselt der Sender die
E-Mail mit dem öffentlichen Schlüssel
des Empfängers. Der Empfänger
wiederum kann mit seinem privaten Schlüssel
die E-Mail entschlüsseln und mit dem
öffentlichen Schlüssel des Senders
die Echtheit der E-Mail überprüfen.
Client-
versus Gateway-Lösung
Bei der
E-Mail-Verschlüsselung gibt es den
Client- und den Gateway-basierten Ansatz.
Beim Client-basierten Ansatz wird die E-Mail
im E-Mail-Client signiert beziehungsweise
verschlüsselt. Der Vorteil liegt hier
in der möglichen End-zu-End-Verschlüsselung.
Der grosse Nachteil ist, dass zentrale Content-Scanner
die versandten und empfangenen E-Mails nicht
mehr auf Viren und Malicious Mobile Code
überprüfen können. Durch
den Gateway-basierten Ansatz kann die Security
Policy des Unternehmens mittels des zentralen
Content-Scanners umgesetzt werden. Viren
können schon vor dem Eindringen ins
Unternehmensnetzwerk erkannt und eliminiert
werden. Ein weiterer Vorteil liegt in der
möglichen zentralen Archivierung der
versandten und empfangenen E-Mails zur Unterstützung
von Geschäftsfällen, da diese
der gesetzlichen Archivierungspflicht unterliegen.
Auf dem E-Mail-Gateway werden die E-Mail
Security Policies auf der Basis sämtlicher
E-Mail-Attribute wie beispielsweise Betreffzeile,
Empfängeradresse, Senderadresse, E-Mail-Optionen
definiert. Durch diese zentrale Abbildung
der Security Policy ist die E-Mail-Verschlüsselung
für den Benutzer im Unternehmen vollkommen
transparent. Er muss sich nicht darum kümmern.
Dies erleichtert die Administration und
es können Betriebskosten eingespart
werden. Bei Unternehmen mit erhöhten
Sicherheitsanforderungen im internen Netzwerk
kommt ein zweistufiger Ansatz zur Anwendung:
Der Mail-Verkehr wird auch auf dem Weg vom
Client zum zentralen Gateway verschlüsselt.
Der Gateway entschlüsselt die Mails
und sendet diese zum Content-Scanner. Der
Gateway erhält die überprüften
Mails zurück und verschlüsselt
sie wieder vor dem Versand. Ankommende E-Mails
werden auf dieselbe Weise behandelt. Dieser
Ansatz erlaubt die End-zu-End-Verschlüsselung
von E-Mails mit zentraler E-Mail Security
Policy und Archivierung, ohne auf die Überprüfung
des gesamten Mail-Verkehrs auf Viren und
Malicious Mobile Code verzichten zu müssen.
Implementierung
Ein essenzieller
Punkt bei der E-Mail-Sicherheit ist die
vorhandene Infrastruktur auf der Seite des
externen Empfängers. Bei der E-Mail-Signierung
reicht es aus, wenn der Empfänger die
Signatur des Senders mittels Zertifikats
überprüfen kann. Die meisten modernen
E-Mail-Clients haben die Zertifikate der
gängigsten Zertifizierungsstellen bereits
implementiert. Der Sender sollte nach Möglichkeit
sein Zertifikat von einer solchen Zertifizierungsstelle
ausstellen lassen. Für die Rechtsgültigkeit
der digitalen Signatur innerhalb der Schweiz
gemäss ZertES muss ein Zertifikat von
einer akkreditierten Zertifizierungsstelle
ausgestellt sein.
Beim Versand einer verschlüsselten
E-Mail an einen neuen Empfänger kommen
folgende Optionen zum Tragen. Wenn der Empfänger
bereits im Besitz eines Zertifikates ist,
kann dieses automatisch vom E-Mail-Gateway
angefordert, überprüft und gespeichert
werden. Der E-Mail-Gateway kann die E-Mail
mit dem im Zertifikat enthaltenen Public
Key des Empfängers verschlüsseln.
Hat der Empfänger kein eigenes Zertifikat,
so kann ihm der E-Mail-Gateway eines ausstellen.
Eine Alternative zum Zertifikat ist die Verwendung
eines Passwortes. Der Empfänger erhält
eine E-Mail mit einem Link auf den E-Mail-Gateway.
Über eine sichere SSL-Verbindung kann
sich der externe Empfänger auf dem
E-Mail-Gateway anmelden und die E-Mail in
Form einer Web-Mail abrufen.
Fazit
Die sichere E-Mail-Kommunikation
in Unternehmen ist heute aus technischer,
organisatorischer und rechtlicher Sicht
möglich und auch notwendig. Ein zentraler
Punkt für die wirtschaftliche Nutzung
der E-Mail-Verschlüsselung ist der
Automatisierungsgrad bei der Erfassung der
Credentials (Anmeldeinformationen) eines
neuen Empfängers. Dieser Prozess muss
automatisiert, aber trotzdem sicher implementiert
sein. Die zentrale Definition einer E-Mail
Security Policy und die Einbindungsmöglichkeiten
von zentralen Content-Scannern sprechen
für eine Gateway-basierte E-Mail-Verschlüsselungslösung.
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