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Proaktive
Security – Prävention statt Bekämpfung
Quelle: ICT-Jahrbuch
vom 12. März 2008
Autor: Tom Hager, CEO, InfoTrust
Reaktive Sicherheitsmechanismen
genügen den heutigen Sicherheitsanforderungen
eines
Unternehmens nicht mehr. Der Einsatz von
innovativen proaktiven Sicherheitstechnologien
trägt wesentlich zur Steigerung des
Unternehmensschutzes bei.
Unternehmen mit massgeblich
IT-unterstützten Geschäftsprozessen
müssen ihre IT-Infrastruktur vor Angriffen
und Sabotage schützen. Unter Angriff
verstehen wir hier alle mutwilligen Aktionen
mit dem Ziel, die IT-Infrastruktur des Unternehmens
zu stören. Unternehmen setzen in der
Regel neben dem Zugangsschutz mittels Firewall
auch inhaltsbasierte Filter wie Virenscanner
und URL-Filter ein. Diese Filter arbeiten
mit Pattern, die automatisch regelmässig,
beispielsweise stündlich, aktualisiert
werden. Die Pattern werden dabei vom Hersteller
des Filters zur Verfügung gestellt.
Der Filter vergleicht laufend die übertragenen
Daten mit den Patterns. Beim Auffinden einer
Übereinstimmung wird eine Aktion ausgelöst.
Beispielsweise wird bei gefundenem Malicious
Mobile Code wie einem Virus oder einem Trojaner
die Verbindung abgebrochen und der Benutzer
informiert. Die Qualität der Filter
hängt von den erhaltenen Pattern ab.
Virenmuster, die nicht in der Patterndatenbank
enthalten sind, können auch nicht erkannt
werden.
Neue
Ansätze mit proaktiver Security
Ein anderer Ansatz wird mit der proaktiven,
also voraushandelnden Security verfolgt.
Das Ziel dieser Methode ist der Schutz gegen
Zero-Day-Attacken und gegen Angriffe auf
verwundbare Systeme mit unzureichend installierten
Patches. Unter Zero-Day-Attacken werden
Angriffe verstanden, bei denen eine Sicherheitslücke
genau an dem Tag für einen Angriff
ausgenutzt wird, an dem die Schwachstelle
allgemein bekannt wurde. Verschärft
wird diese Problematik dadurch, dass viele
gefundene Schwachstellen nicht mehr veröffentlicht,
beziehungsweise den entsprechenden Herstellern
direkt gemeldet werden. Stattdessen versuchen
Individuen, ihre Entdeckungen über
einschlägige Seiten im Internet zu
verkaufen. Über diese dubiosen Vertriebskanäle
werden auch fertige Angriffsprogramme zum
Ausnutzen der gefundenen Schwachstellen
angeboten. Bei der proaktiven Security werden
Verhaltensweisen zwischen den Kommunikationspartnern
untersucht. Verhält sich ein Kommunikationspartner
nicht wie erwartet, oder versucht er kritische
Aktionen auszulösen, wird die Kommunikation
abgebrochen. In diesem Zusammenhang wird
auch von Anomaly Detection gesprochen. Die
Entscheidung, welche Aktionen kritisch sind,
hängt vom Kontext innerhalb der Kommunikationsverbindung
ab. Gegenüber den inhaltsüberprüfenden
Verfahren, wie sie etwa bei patternbasierten
Viren-scannern üblich sind, gibt es
bei der proaktiven Security keine «Wahr-oder-falsch»-Betrachtung.
Der Ansatz beruht auf Wahrscheinlichkeiten.
Die Herausforderung bei Die geschickte Kombination
von proaktiven Sicherheitstechnologien schützt
vor Zero-Day-Attacken und gegen Angriffe
auf verwundbare Systeme. Proactive-Security-Lösungen
besteht darin, die False-Positive-Rate möglichst
tief zu halten und trotzdem eine angemessene
Performance zu erzielen. Unter einem False
Positive wird unkritischer Datenverkehr
verstanden, der fälschlicherweise als
kritisch eingestuft wurde. Durch die geschickte
Kombination verschiedener proaktiver Sicherheitstechnologien
kann dieses Ziel erreicht werden (siehe
Abbildung 1).

Zu den proaktiven Sicherheitstechnologien
gehören unter anderem Media Type Filtering,
Signature Checking und Verification, Heuristic
Scanning, Exploit Method Detection und Emulation.
Die
verschiedenen proaktiven Sicherheitstechnologien
Beim Media Type Filtering werden alle übertragenen
Objekte anhand einer Kombination von Dateierweiterungen,
MIME Type und Byte Patterns, den so genannten
«Magic Bytes», eindeutig als
Media Type identifiziert. Eine Veränderung
einer Dateierweiterung, beispielsweise von
.exe in .txt, wird erkannt, und die Datei
entsprechend richtig behandelt. Durch die
Erkennung des Media Types können auch
innerhalb einer http-Verbindung einzelne
Media Types identifiziert werden. Nach der
Identifizierung des Media Types wird das
Objekt entsprechend der definierten Aktion
gesperrt oder erlaubt. Dies bedingt die
vorausgehende Definition der im Unternehmen
verwendeten Media Types. Sollen beispielsweise
keine ausführbaren Dateien über
E-Mail und Web ins Unternehmen gelangen
oder auf Webradio verzichtet werden, können
die entsprechenden Media Types am Gateway
geblockt werden. Müssen aus geschäftlichen
Gründen ausführbare Dateien übertragen
oder ActiveX Controls verwendet werden,
können diese über die Methoden
Signature Checking und Verification auf
ihren Ursprung hin geprüft werden.
Ausführbare Programme können digital
signiert werden. Diese Signatur identifiziert
den Ersteller des Programms, zum Beispiel
Microsoft oder Adobe, gibt aber keinen weiteren
Aufschluss über die Funktionsweise
des Programms. Durch die nachträgliche
Veränderung des Programmcodes verliert
die Signatur ihre Gültigkeit. Dies
wird mit der Methode Signature Checking
erkannt und die Übertragung des malträtierten
Codes ins Unternehmensnetzwerk verhindert.
Dabei wird auch der Programmcode von Anbietern
gesperrt, denen wir nicht trauen, oder deren
Signatur abgelaufen oder zurückgezogen
wurde. Die Anwendung dieser Methoden erlaubt
das Übertragen von Programmen vertrauenswürdiger
Anbieter, etwa um Patches und Updates herunterzuladen.
ActiveX Controls, Java Scripts, Java Applets,
VBA Scripts oder VBA Macros werden zwar
von Angreifern oft verwendet, sie stehen
aber heute auf breiter Front produktiv im
Einsatz. Ein einfaches Sperren ist daher
in der Praxis nicht möglich, da sonst
eine Vielzahl von Webapplikationen nicht
mehr funktionieren würde. Mit dem Heuristic
Scanning werden die Verhaltensweisen der
einzelnen Programmelemente in den Webapplikationen
untersucht und entsprechend behandelt, die
Kommunikation wird weitergeführt oder
abgebrochen. Der Versuch, auf das lokale
File-System eines Clients zuzugreifen, beziehungsweise
zu schreiben, oder Netzwerkverbindungen
vom Client zu anderen Systemen aufzubauen,
deutet auf einen möglichen Angriff
hin. Es gibt eine Vielzahl dieser Verhaltensweisen,
die als kritisch einzustufen sind. Malicious
Mobile Code wendet verschiedenste Techniken
an, um sich zu «tarnen». Verbreitete
Mechanismen sind das dynamische Generieren
von Programmcode, das dynamische Nachladen
von Programmteilen sowie das Verstecken
von Programmteilen durch komplexe Konstrukte
im Programmcode. Durch die Exploit Method
Detection werden solche Tarnmechanismen
erkannt und das Ausführen des Malicious
Mobile Codes verhindert. Bei der Emulation
wird in einer virtuellen Umgebung, einer
so genannten Sandbox, der verdächtige
Programmcode ausgeführt. Zu diesem
Zeitpunkt hat der Benutzer den Programmcode
noch nicht erhalten. Bei der Ausführung
in der Sandbox werden Unregelmässigkeiten
erkannt. Der Benutzer wird über die
Resultate informiert, und der Programmcode
wird nicht zu ihm übertragen. Auf den
ersten Blick sieht das Konzept mit der Sandbox
vielversprechend aus. In der Praxis hat
sich dieser Ansatz jedoch bei Gateway-Lösungen
nicht durchgesetzt. Der Grund liegt in den
hohen Performance-Einbussen.
Sicherheit
und Performance durch Kombination
Die Kombination von verschiedenen innovativen
proaktiven Sicherheitstechnologien zusammen
mit reaktiven Sicherheitsmechanismen, wie
beispielsweise patternbasierten Antivirenscannern
und URL-Filtern, schützen das Unternehmen
erfolgreich sowohl vor «Zero-Day Attacks»
wie auch vor bekanntem Malicious Mobile
Code (siehe
Abbildung 2).

Auch eine hohe Performance
wird beim kombinierten Einsatz der verschiedenen
Technologien nicht beeinträchtigt.
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